Carina Jones (links) und Caroline Lo Faro (Mitte) sind die Zugpferde der Cura Children’s Foundation. Botschafterin und Snowboard-Weltmeisterin Steffi von Siebenthal schätzt ihre Arbeit sehr.
FOTO: BLANCA BURRI

Die Cura Children’s Foundation verschreibt sich der Fürsorge von Kindern und Familien in Not. Was ist das Motiv der Gründerinnen Carina Jones, Caroline Lo Faro und Botschafterin Steffi von Siebenthal?

BLANCA BURRI
«In der Schweiz gibt es missbrauchte Kinder, körperlich behinderte Kinder und es gibt Kinder, die auf der Strasse schlafen.» Carina Jones Aufzählung ist nicht abschliessend und bildet nur einen kleinen Teil der fürsorgebedürftigen Kinder und Familien in der Schweiz ab. Diese Not geht im Trubel der Schweizer Wohlstands- und Konsumgesellschaft manchmal unter. Die Cura Children’s Foundation unterstützt deshalb verschiedene Förderprogramme. Damit sorgt sie für Kinder sowie Eltern in Not und macht diese sichtbar: fröhlich, bunt und leichtfüssig.

Zwei Weltenbürgerinnen und eine Weltmeisterin
Hinter der Stiftung Cura Children’s Foundation stehen Carina Jones, Caroline Lo Faro und Steffi von Siebenthal. Einst organisierten sie als «eingeschworenes Team» die Sommercamps der Stiftung «Innocence in Danger». Carina Jones zog dann aber mit ihrer Familie nach Bali, um dort fünf Jahre lang zu leben. Auch Caroline Lo Faro lebte einige Jahre in Übersee. Nur die ehemalige Profisnowboarderin Steffi von Siebenthal aus Saanenmöser blieb in der Heimat und gründete in Zweisimmen eine Familie. Sie ist heute zudem als Personal Trainerin und Botschafterin der Cleven-Stiftung tätig. Nach Jones Rückkehr ins Saanenland vor drei Jahren fanden sich die drei Frauen sofort wieder. Sie gründeten die Stiftung Cura Children’s Foundation und unterstützten als erstes Kinder in New York, ein Herzensprojekt der 55-jährigen Caroline Lo Faro, die die Pandemieauswirkungen vor Ort hautnah mitbekam. In East Harlem wurden dank der Stiftungsspenden 3000 warme Mahlzeiten für Familien und Kinder ausgeteilt, die während der Covid-Pandemie besonders hart betroffen waren. Darüber hinaus wurden damit 500 Familien von ABC-Therapeuten psychologisch betreut.

Von der Mode zur Wohltätigkeit
Wie Caroline Lo Faro kommt Carina Jones aus der Modebranche. Nach ihrem Studium in St. Gallen und vielen Jahren in der Branche nahm die Deutsche mit Schweizer Pass eine Auszeit, um sich ehrenamtlich zu betätigen. Sie arbeitete in einem Kinderheim am Hollywood Boulevard in der Organisation Los Angeles Youth Network. Doch weshalb der Wechsel? «Wir leben in einer unglaublich privilegierten Umgebung. Und deshalb – ich weiss, es hört sich kitschig an – aber: Wir wollen etwas zurückgeben», erklärt Carina Jones. Denn es sei wunderschön, die eigenen Kinder in so einer Umgebung wie dem Saanenland aufwachsen zu sehen, sagt die Mutter zweier Teenager. Caroline Lo Faro ist glücklich, auch die ehemalige Spitzensportlerin Steffi von Siebenthal im Boot zu haben: «Als Einheimische, Weltmeisterin und zweimalige Olympiateilnehmerin ist sie eine wunderbare Botschafterin.» Die drei Frauen möchten ihren Kindern vorleben, dass es mehr gibt, als ein schickes Restaurant für ein Abendessen auszusuchen. «Wir möchten unseren Kindern ein Wegweiser sein», betont die 57-jährige Carina Jones. Deshalb binden sie ihre Kinder auch in ihre Projekte mit ein.

Ein Projekt führt zum nächsten
Nach einem ersten Projekt zur Unterstützung einer etablierten Kinderhilfsorganisation in New York beschloss die Cura Children’s Foundation, ihren Fokus auf die Schweiz zu richten. Das nächste Projekt wartete nicht lange auf sich. Es befasste sich mit der Entlastung von Familien mit autistischen Kindern. Dass Eltern mit autistischen Kindern oft allein gelassen werden und in ihrem 24-Stunden-Job untergehen können, erfuhr Caroline Lo Faro aus dem autobiografischen Buch «Julian and I» von Vanessa Stelling. Obwohl sie die Autorin schon lange kannte, wurde ihr erst bei der Lektüre bewusst, wie schwierig die Situation für Familien mit autistischen Kindern ist. Deshalb initiierte und finanzierte die Cura Children’s Foundation kurzerhand einen Parcours für autistische Kinder. Umgesetzt wurde er im Garten eines kleinen Basler Cafés und Ateliers des Vereins Human-Gardening, wo der Sinnes- und Spielparcours als Ort der Entlastung und Spieloase für Familien mit autistischen Kindern dient. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die Inklusion und das Empowerment der betroffenen Kinder gelegt. Die Konzipierung und Umsetzung kamen in Zusammenarbeit mit Studierenden der Hochschule Luzern zustande. Dieses Projekt führte wiederum zum Sommercamp, das die Cura Children’s Foundation im August 2022 erstmals durchführen wird. Das Cura Children’s Inklusions-Camp fokussiert darauf, Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen zusammenzubringen.

Einheimische Projekte findet man selten
Die Beispiele zeigen, wie bedacht, vernetzt und nachhaltig die drei Powerfrauen bei der Auswahl ihrer Projekte vorgehen. Da stellt sich die Frage, ob auch Saaner Kinder von ihrem Engagement profitieren können. Bei der Gründung der Stiftung ging Carina Jones sofort auf die Suche. Wie andere wohltätige Organisationen stellte sie aber fest, dass es schwierig ist, im Saanenland bedürftige Kinder zu finden. «Ich weiss, dass die Not im Saanenland nicht kleiner ist als anderswo, aber niemand möchte sich outen», bedauert sie. Scham und Hemmungen hätten dazu geführt, dass bisher noch kein Projekt zustande gekommen sei. «Niemand gibt gerne zu, dass er Unterstützung braucht», sagt sie. Das sei eine Zwickmühle, denn gespendet würde nur, wenn die Spender erführen, für welchen Zweck das Geld ausgegeben werde. Deshalb bietet die Cura Children’s Foundation «Bedürftigen» an, dass der Sachverhalt anonymisiert veröffentlicht und mit Symbolbildern gearbeitet wird. Mit dieser Massnahme erhofft die Stiftung, bald auch Kinder und Familien aus dem Saanenland unterstützen zu können.


CURA CHILDRENS FOUNDATION

«Cura» ist das lateinische Wort für Fürsorge und damit auch die Mission der Cura Children’s Foundation. Die Cura Children’s Foundation wurde im Juli 2020 in Saanen gegründet und bietet umfassende Unterstützung für Kinder und Familien in Not. Da die Betriebskosten privat bezahlt werden, kommen die Spenden vollumfänglich den Projekten zugute. Soeben wurde das Nemo-Projekt erfolgreich abgeschlossen, welches sichere Übernachtungsmöglichkeit, Verpflegung, Schutz und Sozialberatung für junge Menschen zwischen 16 und 23 Jahren bietet, die derzeit auf der Strasse leben. Die Notfallschlafstelle Nemo gründet auf das Sozialwerk von Pfarrer Sieber und bietet Schlafstellen in Zürich an.

Das nächste Projekt ist bereits aufgegleist und die Kontakte sind geknüpft: Die Cura Children’s Foundation sucht Spenden für die Ausbildung eines Assistenzhundes für ein elfjähriges Mädchen im Rollstuhl. Der Assistenzhund wird in der Stiftung Schweizerische Schule für Blindenführhunde in Allschwil ausgebildet. Die Ausbildung dauert zweieinhalb Jahre und ist sehr kostenintensiv. Leider gibt es hierfür von der Schweizer Invalidenversicherung keine Zuschüsse. BLANCA BURRI